Nordic Walking – ABER RICHTIG!

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Sowohl Sporttreibenden als auch den meisten Nicht-Sportlern ist bekannt, dass Sport einen positiven Einfluss auf unsere körperliche, seelische und geistige Gesundheit hat. Dabei macht es keinen Unterschied, ob er alleine (als Einzelsport wie beispielsweise Skifahren) oder in einer Gruppe (als Mannschaftssport wie beispielsweise Fußball) ausgeübt wird. Sport ist einfach gut für uns, wenn wir ihn richtig und dosiert ausüben, sowie auf eine ausgewogene Balance zwischen Belastung und Regeneration achten.

Gerade das Ausüben von Mannschaftssport hält für uns zudem eine Vielzahl positiver Auswirkungen auf unsere Persönlichkeitsentwicklung bereit. Diese Auswirkungen können in unterschiedliche Kompetenzen unterteilt werden, wobei man unter Kompetenz die Fähigkeit und Fertigkeit versteht, in einem bestimmten Lebensbereich Probleme zu lösen, sowie der Bereitschaft dies auch zu tun.

Neben den sport- und sportartspezifischen Kompetenzen reifen beim regelmäßigen Mannschaftssport vor allem auch unsere kognitiven Kompetenzen und unsere Lebenskompetenzen (Life Skills, bzw. Soft Skills).

Wichtig ist, dass der Sport bzw. das Spiel Spaß macht. Wenn der Spaßfaktor passt, lernt man dabei auch mühelos, spielerisch, gerne und schnell. Nur, was alles lernt der Mannschaftssportler beim Ausüben seines Sports über sich und seine Umwelt? Wie kann Mannschaftssport im Kinder- und Jugendalter einen positiven Einfluss auf die menschliche Entwicklung nehmen?

Sport- und sportartspezifische Kompetenzen

Es ist offensichtlich, dass man sich durch das Spielen und Trainieren in der Gruppe intensiver mit den Themen Sport und Gesundheit auseinandersetzt. Außerdem eignet man sich mithilfe von Tipps von Trainern und Mitspielern ein dementsprechendes Grundwissen an. Abgesehen davon, dass man sportartspezifische Bewegungsabläufe und Techniken erlernt und verbessert, wächst auch das Verständnis für eine ausgeglichene Balance zwischen Belastung und Erholung. Dies beeinflusst auch die Work-Life-Balance und der Sportler ist tendenziell eher geneigt, bewusst aktive, aber (vor allem geistig) erholsame Auszeiten vom Arbeitsstress in seinen Tages- und Wochenablauf einzuplanen. Gerade Kinder und Jugendliche können mittels Sport lernen, Schulstress wirkungsvoll zu meistern und den Weg für ein gesundes und aktives Leben ebnen. Mittlerweile belegen auch empirische Studien, dass regelmäßiger Sport bei Kindern eine Steigerung ihrer kognitiven Kompetenzen zur Folge hat.

Andererseits wird man im strukturierten Mannschaftsbetrieb auch mit unterschiedlichen Trainingsprinzipien und –methoden vertraut, welche in weiterer Folge auch sportartübergreifend eingesetzt werden können. Gerade die Gruppe bietet die Möglichkeit, dass die Unerfahrenen von den erfahrenen Sportlern mehr über Sport im Allgemeinen als auch über die spezifisch ausgeübte Sportart erfragen und erlernen können.

Kognitive Kompetenzen

Unter kognitiven Kompetenzen versteht man die Intelligenz des Menschen. Zu diesen Kompetenzen zählen die Fähigkeit, Neues zu lernen, Probleme zu erkennen, zu analysieren und zu lösen, Ziele zu formulieren und entsprechende Pläne zu entwerfen. Ebenso zählen das Treffen von Entscheidungen sowie die Antizipation deren Folgen dazu. Kognition ist folgerichtig die menschliche Fähigkeit, sich in seiner Umwelt zu orientieren und sich dieser gleichzeitig anzupassen.

Wie bereits erwähnt, hat regelmäßig ausgeübter Mannschaftssport vor allem bei Kindern eine Verbesserung der Merk-, Lern- und Konzentrationsfähigkeit zur Folge. Da jedes Spiel anders verläuft, gibt es eine schier unendliche Auswahl an möglichen Spielsituationen, auf die man meist in Sekundenbruchteilen reagieren muss. Somit ist der Sportler gezwungen, zu lernen schnell zu reagieren, bzw. sich ähnliche Spielsituationen zu merken, um sie in  Zukunft zu erkennen und besser zu meistern.

Spielzüge, die nicht wie geplant bzw. einstudiert zu Ende gespielt werden können, weil sie von der verteidigenden Mannschaft gut verteidigt werden, erfordern mentale Flexibilität und schnelles körperliches und geistiges Reaktionsvermögen, um sie dennoch erfolgreich abzuschließen zu können.

Somit wird auch die Entscheidungsfähigkeit am Spielfeld gefordert. All dies führt zur verstärkten Bildung von neuronalen Verbindungen im Hirn, welche auch die kognitiven Leistungen abseits des Spielfeldes positiv beeinflussen können.

Für ein erfolgreiches Leben (beruflich als auch privat) ist es unabdingbar, sich Ziele zu setzen an denen man bereit ist, zu arbeiten und zu wachsen. Wenn erreichte Ziele durch neue ersetzt werden, hält dies den Menschen nicht nur mental jung, sondern gibt jedem auch ein Gefühl von Glück und Sinn im Leben. Soweit die Theorie.

Die Praxis sieht jedoch leider so aus, dass nur sehr wenige Menschen wirklich über die Macht und den Sinn von Zielen Bescheid wissen, bzw. gelernt haben wie Ziele formuliert und verfolgt werden müssen. Gerade im Mannschaftssport (v.a. wenn er strukturiert in einem Vereinsgefüge ausgeführt wird) sind gemeinsame und persönliche Zielfindungsprozesse unabdingbar. Das Team muss für jede Saison gemeinsame Ziele finden, wenn es erfolgreich sein will (Klassenerhalt, Aufstieg, bestimmte Anzahl an Spielen gewinnen). Jeder einzelne Sportler setzt sich in der Regel jedoch auch persönliche Ziele, die ihn im Mannschaftsgefüge weiterbringen (z.B. Verbesserung von Technik, Kondition oder Spielverständnis). Damit hilft der Mannschaftssport dabei zu lernen, wie Ziele definiert werden müssen, um motivierend zu sein, wie sie in Teil-Ziele heruntergebrochen werden können und welche Arbeitsschritte in weiterer Folge notwendig sein werden, um diese Ziele zu erreichen. All dieses Wissen wird leider kaum im formalen Bildungswesen gelehrt und kann natürlich identisch auf andere Lebensbereiche übertragen werden, um beispielsweise die berufliche Karriere positiv beeinflussen. Man kann auch davon ausgehen, dass Kinder, die früh lernen Ziele zu setzen und diese mit Spaß verfolgen, später tendenziell erfolgreichere und ausgewogenere Erwachsene sein werden.

Diese kognitiven Kompetenzen, welche im Mannschaftssport erlernt bzw. vertieft werden, können durch Intelligenztests ermittelt und anhand eines Intelligenzquotienten (IQ) abgebildet werden.

Life Skills

Ergänzend dazu bilden die Life Skills die emotionale Intelligenz eines Menschen ab. Diese Kompetenzen befähigen uns dazu, die Aufgaben und Herausforderungen des täglichen Lebens – insbesondere im Umgang mit unseren Mitmenschen – erfolgreich zu meistern. Sie bilden somit unsere Soft Skills und lassen sich in intra- und interpersonale Kompetenzen einteilen.

Die Entscheidungsfähigkeit wird gerade im Mannschaftssport stark gefördert, da man in Spielsituationen andauernd unter Zeitdruck mit dem Problem konfrontiert ist, welche Entscheidung man wählt (Pass oder Schuss, abwarten oder attackieren, etc.). Zudem muss es auch für die Mitspieler verständlich sein, was man mit dieser Entscheidung bezwecken will bzw. dürfen diese nicht so damit überrascht werden, dass damit der Gegner einen Vorteil erlangt. Beispielsweise kann ein Pass zum Mitspieler ein erfolgversprechender Zug sein, wenn dieser den Ball oder den potenziellen Passgeber jedoch nicht sieht, ist ein Fehlpass vorprogrammiert und der Spielzug in Gefahr in der Verteidigung des Gegners zu enden.

Somit muss der Sportler auch in der Lage sein, Probleme schnell zu lösen (bei guter Verteidigung schnell passen oder abschließen), kreativ und kritisch zu Denken. Wem kann ich in welcher Spielsituation was zutrauen, wer braucht meine Hilfe (z.B. Doppeln in der Verteidigung)? All diese Fertigkeiten werden quasi im Training und im Spiel laufend gefordert, ohne dass man sich derer bewusst machen muss.

Kommunikation und kommunikative Fähigkeiten der Teammitglieder können oft den Unterschied ausmachen zwischen einer guten und einer überragenden Mannschaft.  Da sich Spielsituationen jede Sekunde ändern, muss laufend mit den Mitspieler effektiv (laut, eindeutig, verständlich) kommuniziert werden, um Spielzüge anzupassen oder die Verteidigung aufrecht zu erhalten. Auch am Spielfeldrand bzw. in der Kabine muss klar, aber respektvoll kommuniziert werden, damit alle wissen, was zu tun ist, um das gemeinsame Ziel zu erreichen, denn nicht jeder Spieler hat die gleichen Aufgaben innerhalb der Mannschaft. Zugleich sollte Kritik nur so erfolgen, dass sie auch eine positive Handlungsanleitung für die Zukunft beinhaltet und respektvoll bleibt. Wer diese Dinge beim Sport treiben lernt, muss es nicht durch „Versuch und Irrtum“ im Job oder der Familie erlernen, wo die direkten Konsequenzen schlechter Kommunikation eventuell gravierender sind.

Somit steht die Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen an oberster Stelle, wenn es um erfolgreiche Team-Kommunikation geht. Nicht zu vergessen sind das gemeinsame Feiern von Erfolgen, der Umgang mit Niederlagen oder das „Bier danach“, welche die Mannschaftskollegen zusammenschweißen und zu einem positiven, respektvollen Miteinander beitragen – auch abseits des Sports. Nicht umsonst sind sportliche Großereignisse auch eine Möglichkeit, völkerverbindende Akzente zu setzen (siehe Fußball Weltmeisterschaften, Olympische Spiele, etc.).

Daher spielt auch die Kompetenz der Empathie eine Rolle, um als Teamplayer bestehen zu können. Nur wenn ich im Teamgefüge verständnisvoll für die Wünsche, Beschwerden und Ziele meiner Teamkollegen auftrete, werde ich respektiert und kann dabei helfen, das Gesamtziel der Mannschaft optimal anzusteuern. Es gibt auch Situationen in denen der beste Spieler zum Wohle der Mannschaft auf Spielzeit verzichten muss – wenn beispielsweise ein Ersatzspieler eine extrem produktive Phase im Spiel oder während der Saison hat, die das gesamte Team dynamischer und erfolgreicher spielen lässt. Auch wenn man solch eine Situation  als Führungsspieler nicht gerade genießt, so ist dabei der positive Umgang mit Emotionen am Spielfeld und abseits davon enorm wichtig. Einen kühlen Kopf bewahren heißt es auch bei umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen oder wenn man selbst gefährlich gefoult wird. Schließlich gilt es, technische Fouls, rote Karten und andere Sanktionen zum Wohle der Mannschaft zu vermeiden. Auch hier gilt: Was ich am Spielfeld lernen kann, kann ich auch abseits davon nutzen.

All diese Soft Skills tragen zur Teamfähigkeit des Sportlers bei, welche in ihm in weiterer Folge Werte wie Fairplay, Toleranz und Respekt verinnerlichen und fördern. 

Wir betreiben Sport – und insbesondere Mannschaftssport – um uns vom Alltag abzulenken, Spaß zu haben, einfach um uns zu bewegen und unsere Gesundheit zu fördern. Wenn man dazu auch noch über das Sportliche weiterblickt, merkt man, dass das Spiel bzw. der Sport, den man so begeistert ausübt noch viel mehr zu bieten hat, als reine körperliche Betätigung. Es kann dazu dienen, den Charakter in positiver Weise zu formen und zu lernen, wie man sowohl ein produktiveres (Ziele definieren und verfolgen) als auch ein erfüllteres (positiver Umgang mit Menschen und Emotionen) Leben führen kann. Daher ist es vor allem auch für Eltern empfehlenswert, den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern und Jugendlichen zu erkennen und zu fördern. Im Gefüge eines Sportvereins bzw. einer Sportmannschaft können sie dabei unheimlich viele wertvolle Lektionen lernen, die ihnen auch in der Schule, Ausbildung und im Alltag zugutekommen.

Darum lautet die Devise: Bleiben Sie am Ball!

Quotes:

“Life skills”
“Life skills” are defined as psychosocial abilities for adaptive and positive behaviour that enable individuals to deal effectively with the demands and challenges of everyday life. They are loosely grouped into three  broad categories of skills: cognitive skills for analyzing and using information, personal skills for developing personal agency and managing oneself, and inter-personal skills for communicating and interacting effectively with others.

http://www.unicef.org/lifeskills/index_7308.html

Literatur: